Liebe Freunde, liebe Freunde des Gesanges, verehrtes Publikum,

eine Tournee mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle, Konzerte mit dem Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst, dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem London Symphony Orchestra unter Bernard Haitink, Brittens „War Requiem“ bei den Londoner Proms mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra unter Andris Nelsons und eine kleine Welttournee mit Mozarts „Zauberflöte“ als „Papageno“ mit dem Budapest Festival Orchestra unter der musikalischen Leitung von Iván Fischer, sowie viele Lieder bilden die Höhepunkte meiner Saison 2014/15, die sich an das Eröffnungskonzert der Salzburger Festspiele 2014 unter Bernard Haitink anschließt.

Dass sich diese internationale Konzerttätigkeit an der Seite so inspirierender Musiker mit meinem Engagement für den Nachwuchs verbinden lässt, erfüllt mich mit größter Dankbarkeit!
Neben meinen drei eigenen Kindern habe ich derzeit 11 Studenten und die Freude, eine sehr engagierte „Fachgruppe Gesang“ an der Hochschule für Musik in Karlsruhe (www.hfm.eu) als „Sprecher“ vertreten zu dürfen. Mich hier mit meinen hochmotivierten Kollegen für optimale Rahmenbedingungen der Gesangsausbildung einzusetzen, empfinde ich als sehr sinnvoll.
Meine Studenten bei ihrem Weg auf die Podien (neben unzähligen Konzerten sind im Sommer 2014 allein drei davon bei der Kammeroper Schloss Rheinsberg (Zauberflöte) zu erleben) begleiten zu dürfen, erfüllt mich als Professor im 6. Semester mit Hoffnung.

Hoffen lässt auch, dass die Stuttgarter Landesregierung das grundständige Fach Musik wieder in den Lehrplan der Grundschulen aufnehmen möchte.
Die Fusion unserer exzellenten SWR-Orchester sowie die Sparvorgaben des Landesrechnungshofes für die Musikhochschulen in Baden-Württemberg konterkarieren diese Entscheidung allerdings aufs Betrüblichste. Großartig, dass die Wissenschaftsministerin Theresia Bauer sich nach einem vorbildlichen Kommunikationsprozess mit allen Beteiligten diesen Vorgaben des Landesrechnungshofes nicht gebeugt hat, der alle Musikhochschulen des Landes ins Mittelmaß geführt hätte!
Es bleibt eine große Aufgabe, unsere Entscheidungsträger jeglicher Couleur von der Sinnhaftigkeit musikalischer Bildung und damit von der Humanisierung der Gesellschaft zu überzeugen! Franz Schubert z.B. war freischaffender Künstler und ist sicher nicht reich geworden. Aber er bereichert die Menschheit bis heute. Glücklicherweise hat sein Landesherr ihn seiner Begabung entsprechend ausbilden lassen!

Es geht um mehr als unsere „deutsche Kulturnation“ – es geht um das kulturelle Erbe Europas, um die Reflektion des menschlichen Seins, um das, was uns vom Affen trennt.
Ein Zeichen dafür soll auch die Tournee der Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des „Berliner Mauerfalles“ sein.
Beethovens 9. Sinfonie wird in Berlin, Leipzig, Budapest und Prag aufgeführt. In Warschau wird das „Stabat mater“ von Karol Szymanowski ergänzt.
Mit diesen zutiefst humanen Werken vor kalten und heißen Kriegen zu warnen und der Sinnlosigkeit der millionenfachen Opfer dieser menschlichen Irrwege auf allen Seiten zu gedenken, macht  im Jahre 2014 leider wieder mehr Sinn denn je.
Ich bin dankbar für die Ehre,  als badischer Europäer deutscher Nation und musikalischer Weltenbürger , kurz: als „Mensch“ dabei sein zu dürfen.

Viel Freude mit der Musik, den Details und viel Glück im Leben!

Ihr Hanno Müller-Brachmann